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Freischwimmen – gar nicht so leicht, wenn man mal Teil einer der erfolgreichsten Girlgroups des Landes war. Nach der Trennung von „Monrose“ nahm sich Bahar Kizil Zeit, um sich selbst zu finden. Auch musikalisch. In zwei Tagen kommt ihr erstes Soloalbum „Bullets Of Love“, in der Pressemitteilung heißt es, es versprühe „Liebe, Spaß und geballte Frauenpower“. Ein super Aufhänger für ein Gespräch von „Bitch zu Bitch“…
Einer deiner Songs heißt „Gossip Bitch“ und dieses Blogmagazin heißt Brainbitch – meinst du, Deutschland versteht das Wort Bitch richtig?
Definitiv wird das Wort nicht immer richtig definiert. Wir Frauen sind ja nicht dumm und beschmutzen uns selbst mit minderwertigen Wörtern. Bitch wird 2015 neu definiert und steht für die selbstbewusste, smarte Frau.
Wie viel Therapie steckt für dich in deinem Debüt-Album?
Da ich gute 1,5 Jahre musikalisch an „Bullets Of Love“ gearbeitet habe, konnte ich viele Stufen meiner Entwicklung und emotionale Momente festhalten. Für mich war die Produktion des Albums auch ein Loslassen von Dingen und auch von Menschen. Alleine weiterzumachen hat mir viel bedeutet und mich gestärkt. Psychisch war es für mich die beste Bearbeitung meines Ichs. Pure Nacktheit, auch wenn es abgedroschen klingt: eine Art Seelen Striptease.
Nerven die ständigen Vergleiche zu Monrose und deinen beiden Ex-Kollegen Mandy Capristo und Senna Guemmour?
Einerseits kann ich die Menschen verstehen, weil sie uns immer gemeinsam in Erinnerung haben, ziehen sie auch direkte Vergleiche. Aber auf der anderen Seite stört es mich manchmal schon. Letzten Endes ist jeder von uns ein Individuum mit eigenen Charakterzügen und seinen eigenen Entscheidungen. Ich gehe bewusst eine andere Richtung, damit keine Vergleiche entstehen können. Ich versuche bewusst, meine eigenen Wege zu gehen und Neues zu kreieren, aber dies braucht wahrscheinlich in der öffentlichen Wahrnehmung mehr Zeit.
Das Musikgeschäft wird immer härter. Schon mal ans Aufhören gedacht?
Ich liebe es zu sehr, als es aufgeben zu können. Ich stand schon sehr oft an dem Punkt, alles hinschmeißen zu wollen. Weil die Psyche nicht mehr mitmacht, der Druck auf einem lastet oder die Menschen es einem nicht einfach machen. Aber wenn ich an den einen Moment denke, auf der Bühne zu stehen, ist der ganze Stress und alles Negative vergessen.
Ist es schwierig für eine Frau in der Öffentlichkeit, einen Freund zu finden?
Es ist nicht schwer Männer kennenzulernen. Ich bin auch nicht prüde. In der Öffentlichkeit zu stehen lockt viele Männer an. Aber die wenigsten entpuppen sich als passend. Vielleicht aber auch nur nicht passend für mich. Die meisten Männer denken, anschreiben auf Facebook würde reichen, aber da steckt ja eigentlich so viel mehr dahinter.
Was steckt für dich dahinter? Warum bist du noch Single?
Ich habe eine genaue Vorstellung von meinem Leben, meinen Zielen und Wünschen. Ich habe aber auch eine genaue Vorstellung von einem Mann. Vor allem von dem Mann, den ich gerne an meiner Seite hätte. Ich brauche einen charakterstarken Mann, der mich um meinetwillen mag und nicht weil er ein hübsches Foto gesehen hat, mich durch Monrose noch kennen zu vermag oder auf den Gedanken steht, mit jemandem zusammen zu sein, der in der Öffentlichkeit steht. Ich brauch einen Mann, der mein bester Freund und mein Liebhaber zugleich ist. Bisher war er nicht dabei.
Was war die bescheuertste Anmache?
Oh da gibt’s viele (lacht). Aber meistens schieße ich die direkt wieder aus meinem Kopf, um Platz für Wichtiges zu schaffen.
Der Blog Brainbitch dreht sich um Power-Frauen. Welche Lady ist dein Vorbild?
Meine Mama ist ein starkes Vorbild für mich, weil sie großzügig, emotional und ein hart arbeitender Mensch ist. Ich liebe Menschen, die ihre Ideen und Wünsche umsetzen, lieben und vor allem geben können.
An welchen Stellen fühlst du dich als Frau noch diskriminiert in der heutigen Gesellschaft?
Man kann nicht alle Männer über einen Kamm scheren. Aber…(lacht) Ich habe das Gefühl, dass wir Frauen oftmals in eine für den Mann passende Schublade gequetscht werden. Sind wir ehrgeizig und erfolgreich, so gleichen wir schnell einem Mannsweib und wirken erschreckend auf einen Mann. Sind wir leicht anzusprechen und erscheint die Kommunikation easy, so sind wir einfach zu haben. Sind wir abweisend, so sind wir auch gleich Zicken. Gerade in dieser Branche wird man auch nicht immer ernst genommen. Vor allem als kleine Frau ist es oft härter, die Aufmerksamkeit zu bekommen.

                                                                                             

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